Mein "Russlandfeldzug"

 

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Der Wettergott hatte ein Einsehen, und so konnte die geplante Operation Wolga-Ueberquerung heute wie geplant stattfinden. Nachdem ich wir uns mit zwei zu einer (meiner) Stimme gegen den urspruenglich (von mir) geplanten Ablegepunkt (sozusagen) entschieden hatte, mussten wir erst noch ein bisschen Marschrutka fahren, bevor wir uns endlich aufs Eis begeben konnten. Der Wind der letzten Nacht hatte einige Schneeverwehungen erzeugt, und so wechselte die Schneedicke auf der Wolga selbst zwischen gar nicht (blankes Eis) und etwa 30 Zentimetern - in letzterem war es ziemlich anstrengend, zu laufen. Auf der Insel in der Wolgamitte angekommen, mussten wir... nein, eigentlich mussten wir nicht, aber wir sind trotzdem durch meterhohen (EINEN Meter hohen) Schnee gewatet, und ich habe mich beim Versuch, auf diesem Schnee zu rennen (grandiose Idee) natuerlich von oben bis unten eingeseift. Nach etwa einer Stunde hatten wir das gegenueberliegen Ufer erreicht, sind dann dort ein bisschen langmarschiert und haben uns dann auf den Rueckweg gemacht. Unterwegs haben wir noch einem steckengebliebenen Autofahrer geholfen (die Wolga wird ja als normale Strasse benutzt waehrend der Wintermonate), bevor wir nach etwa drei Stunden wieder in der Stadt waren.

Die Fotos sind nicht ganz so beeindrucken geworden, wie ich gestern noch versprochen hatte, was kein Wunder ist, denn weiss und grau gibt einfach nicht so wahnsinnig viel her. Dennoch habe ich ein paar Fotos neu hochgeladen:

115 - Blick zurueck, kurz nachdem wir losmarschiert waren
116 - Auf der Wolgainsel angekommen
117 - Die krasseste Schneeverwehung, durch die wir durch mussten
118 - Am anderen Ufer angekommen
119 - Natur auf der anderen Seite der Wolga
120 - Ich lasse einfach den Titel des Bildes sprechen - Kontraste
121 - Das Bild finde ich unheimlich toll, keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil es mir zeigt, wie klein ich eigentlich bin?
122 - Hier kann man ein bisschen abschaetzen, wie dick das Eis etwa ist. Ohne Bezugsgroesse ist es natuerlich schwierig, aber es sind etwa 20 Zentimeter. Es reicht zumindest dafuer, das Autos (Und Pferdefuhrwerke) drauf fahren koennen.

(Noch jemand er Meinung, dass ich zu viele Klammern benutzt habe?)
1.2.06 17:53


Heute war (oder ist eigentlich immer noch) ein Woo-Hoo-Tag.

Fuer alle diejenigen, die nicht wissen, was ein Woo-Hoo-Tag (sprich: Wu-Hu) ist: ein sehr sehr guter Tag.

Es fing damit an, dass ich um vier Uhr wach war. Und mit wach meine ich nicht wach, sondern knallwach. Also so richtig! Wach! Keine Ahnung warum, an schlafen war nicht mehr zu denken. Ich habe dann Zeit totgeschlagen, wirklich sinnvolles zu tun hatte ich ja nicht. Irgendwann um halb sechs dachte ich mir, ich lege mich noch fuer eine halbe Stunde hin, stehe dann auf und gehe zur Arbeit.

Wieder aufgewacht bin ich um halb zehn. Also gut, dann doch eher ein normaler Arbeitsbeginn, hat auch was fuer sich. Nachdem ich dann vier Stunden vorm CAD gesessen habe, habe ich endlich den ersten grossen Meilenstein der Diplomarbeit erreicht: die Konstruktion steht. Die erste Auslegung mit anderen Worten. Jetzt geht es daran, zu klaeren, ob die ganze Sache haelt. Ab naechster Woche. Was ich noch tun muss, ist allerlei Schraeubchen und Sicherrungblechlein einfuegen, aber das werde ich erst in Stuttgart machen, habe ich schon abgesprochen, weil der Mehrwert einfach fehlt, und fuer solche Praktikantenarbeit muss man nicht in Russland sein, finde ich.

Dann weiter: als ich mir um viertel vor fuenf dann meine wohlverdiente Mittagspause gegoennt habe, fand ich einen Post-Benachrichtigungsschein im Wohnheim. Das bestellte Care-Paket ist angekommen, hurra! Darin: Zahnpasta (Aronal und Elmex), Pullmolls, Kekse (zu denen gleich mehr), ein Comicbuch, ein Raetselheft, Tortilla-Chips mit Dip. Hendrik, Du bist echt der groesste! Und Dani, vielen Dank fuer die Kekse! Weiterer Inhalt des Paket's: eine halbe Sonnenblumenkernschale.

Moment.

Eine halbe Sonnenblumenkernschale? Hier in Russland sind Sonnenblumenkerne ein sehr beliebter Snack. An jeder Strassenecke sitzen Frauen unbestimmbaren Alters, welche Sonnenblumenkerne zum Verzehr anbieten. Und so trifft man ueberall Russen, die gemuetlich Sonnenblumenkerne kauend irgendetwas tun (zum Beispiel auf den Bus warten, oder Bus fahren, oder...).

Aber wie zur Hoelle kommt diese Sonneblumenkernschale denn nun in das Paket?

Nun, es erscheint nicht wirklich abwegig, anzunehmen, dass der Mensch, welcher das Paket geoeffnet hat, nebenher einige Sonnenblumenkerne gekaut hat. Sieht ja keiner, wenn man irgendwo auf dem Haupt-Post-Zoll-Amt in Moskau sitzt und den ganzen Tag Pakete aufmacht. Dass das Paket geoeffnet war, ist auch deutlich sichtbar gewesen, nur finde ich es durch dieses Zeichen absoluter Menschlichkeit irgendwie noch viel netter. Um zu den Keksen zurueck zu kommen... mich wuerde ja interessieren, wie viele Kekse urspruenglich den Weg aus Deutschland angetreten haben. Da sie "nur" in Plastikhuellen verpackt waren, dachte sich Herr Sonnenblumenkernfutterer, nennen wir ihn einfach Wladimir, dachte sich also vielleicht Wladimir, dass immer nur Sonnenblumenkerne ja auch bloed sind und so ein Keks... man weiss es nicht. Wladimir ist auch nur ein Mensch, und bei Danis Keksen kann ich es ihm noch nicht einmal uebel nehmen. Wahrscheinlich werde ich die Wahrheit nie erfahren.

Jetzt sitze ich am Institut, tippe dieses in den Rechner, chatte mit ein paar Leuten und gehe nachher schwimmen, um im Anschluss einen Brief zu schreiben. Und morgen ist Samstag. Wochenende!

Wu-hu!
3.2.06 15:39


Und noch was!

Damit ihr mal seht, was ich hier eigentlich die ganze Zeit so gemacht habe, drei neue Bilder fuer euch!

123 - Der Verdichter in seiner ganzen Pracht

124 - Von vorne - sozusagen das letzte, was die Luft sieht, bevor sie gnadenlos (weiter-)verdichtet und in die Brennkammer geleitet wird...

125 - Mal das Gehaeuse und die Leitschaufeln weggenommen, also nur der Rotor mit den Laufschaufeln.
3.2.06 15:45


Ich war im Schwimmbad, und drehte in Ruhe meine Runden. Beim anschliessenden Duschen, fiel mir eine Tuete eines Mitschwimmers ins Auge. Blau, mit der Aufschrift "Besser Karstadt...".

Sollte ich hier einen Landsmann getroffen haben? Durch Zufall im Schwimmbad? Ich koennte ihn fragen, aber... nee, das ist ja... irgendwie auch bloed. Oder nicht? Ich selbst habe ja eine Tchibo-Tuete mit, die koennte ich als subtiles Erkennungsmerkmal einsetzen. *mit der Tuete rummach* Mmh, er glotzt mich an. Vielleicht ist er ja einfach ein bisschen schuechtern? Ach was, da ist bestimmt nichts dran! Oder doch? Hach, schwierig!

Auf dem Weg in die Umkleidekabine plagen mich weiter Zweifel. Ansprechen? Ignorieren? Ich meine, es gibt bestimmt 400 gute Erklaerungen, wie es eine "Besser Karstadt"-Tuete ueber 2000 Kilometer nach Samara in die Haende eines Russen schaffen koennte. Bloederweise faellt mir gerade keine einzige ein, er MUSS also Deutscher sein. Stimmt doch! Andererseits... warum fragt er nicht, immerhin habe ich doch meine Tchibo-Tuete mitgenommen! *wedel*

Beim Umziehen sehe ich noch eine Tuete. Von einem Bekleidungs-Discounter. Einem deutschen Bekleidungs-Discounter. Also... das ist ja schon fast eine klare Beweislage! Schuldig, verbrennt die Hexe! Da muss man doch mal nachhaken!

Ich warte vor dem Schwimmbad. Mitten unter den Leuten haette das ja peinlich werden koennen. Aber er kommt nicht. Ich wende mich zum gehen, und die Tuer geht auf. Da isser also, in der linken Hand Beweisstueck A, in der rechten Beweisstueck B. Eine Smoking Gun, sozusagen.

"Sind sie Deutscher?"

"Eh?"

*Oha... vielleicht hat er mich nur nicht verstanden? Oder nicht damit gerechnet, dass ihn jemand auf Deutscha anspricht? Naja, probieren wir's mal auf Russisch*

"Wy Nemez?"

"Njet!" Kopfschuetteln.

"A, oi, iswinitje, ja tolka dumal, is-sa pakety..."

Umdrehen, weggehen. Kein Deutscher. War doch klar. Haette man sich ja auch gleich denken koennen...

Und die Moral von der Geschicht: Beurteile Leute nach den Tueten, welche sie zum Schwimmen mitnehmen nicht!
5.2.06 15:48


Also, gut. Ich gebe zu, ihr habt mehr Schnee als ich. Dafuer isses hier kaelter! So!

Ein wenig albern, ich weiss. Aber dass in Bayern dermassen schamlos versucht wird, mein Wintererlebnis hier herabzuwuerdigen, kann ich einfach nicht auf mir sitzen lassen. Hehe.

Es gibt nicht wahnsinnig viel neues zu berichten. Eine Woche neigt sich wieder dem Ende entgegen, morgen werde ich wieder den ganzen Tag arbeiten, das Wochenende wird wieder voll sein mit Kram. Montag kommt Michal wieder. Dann sind's noch vier Wochen. Abgesehen davon - alles beim alten. Ich sollte wohl mehr raus gehen, damit ich mehr amuesante Geschichten erlebe. Ich werd's versuchen.
10.2.06 17:02


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