Mein "Russlandfeldzug"

 

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Frohes neues Jahr!

Mir geht es den Umstaenden entsprechend gut, mich hat eine Erkaeltung allerdings voll erwischt. Eigentlich sollte ich im Bett liegen und Tee trinken, aber ich musste heute sowieso kurz ans Insitut, um mit meinem Betreuer zu reden, also dachte ich, ich kann Euch auch wissen lassen, dass ich Silvester gut ueberstanden habe. Spaeter mehr.
4.1.06 12:56


So! Wieder auf dem Damm, halbwegs zumindest. Dieses Kindernasenspray ist echt klasse, man kann atmen! Durch die Nase! Wahnsinn... ob die gruene und die weisse Kapsel, die ich seit vier Tagen nach dem Mittagessen nehme einen Effekt hatten, weiss ich nicht zu sagen. Allerdings ist das die erste Erkaeltung, die nur die Nase befallen hat und nicht von dort aus in Hals und Ohren weitergewandert ist, insofern gut moeglich, dass.

Silvester war insgesamt eine sehr gediegene Veranstaltung. Urspruenglich hatte ich geplant, mit Lena zu feiern, was aber aus... ich sage mal: gewissen Personen bekannten Gruenden nicht stattgefunden hat. Statt dessen habe ich dann also auf Slavas Angebot zurueckgegriffen, doch zu ihm zu kommen, bevor ich alleine im Wohnheim sitzen wuerde. Mit wechselnder Besetzung waren wir so um die sieben Leute, und vor allem derart zusammengestellt, dass wir viermal aufs neue Jahr anstossen konnten: um null Uhr unserer Zeit, um ein Uhr wieder (Neujahr in Moskau, Heimatstadt von Andrey), dann um zwei (Neujahr in Moldawien, Heimatland von Slava und seinem Kumpel Jura) und abschliessend natuerlich um drei Uhr, als in Deutschland die Korken knallten. Kurz nach drei Uhr war die Party dann allerdings aus fuer die meisten von uns. Die toedliche Mischung aus Sekt, Rotwein, Kognac, Whiskey und Vodka hatte Slava, Jura und Andrey vollkommen umgehauen. Ich hatte mich dezent zurueckgehalten (und vor allem viel von Slavas Eintopf und den von mir mitgebrachten Salaten gegessen) und war noch einigermassen fit. Ich habe mir dann mit Nastya zusammen "Waechter der Nacht" angeschaut, auf Russisch, als Vorbereitung auf den geplanten Kinobesuch ("Waechter des Tags") am Neujahrstag.

Welcher natuerlich ausfiel, haette man sich ja denken koennen. Die Karten hatten wir extra vorher schon gekauft, aber Slava und Jura sahen sich ausserstande, ihren Kater durch die Tuer zu bekommen, so dass wir die 70 Rubel pro Karte in den Sand gesetzt hatten. Statt dessen habe ich dann bis 14 Uhr geschlafen (so traurig war ich gar nicht drum) und bin dann irgendwann wieder rueber zu Slava getingelt, mit einer Flasche Sekt im Schlepptau. Wir hatten uns verabredet, runter zur Wolga zu laufen und dort einen Sekt zu trinken, und ich hatte nicht vor, mich von so etwas laecherlichem wie dem Kater anderer Leute davon abhalten zu lassen.

Nachdem wir eineinhalb Filme angeschaut hatten, ging's dann tatsaechlich runter an die Wolga. Die ist inzwischen vollkommen zugefroren, allerdings noch nicht so stabil, wie man sich das wuenschen wuerde, bevor man sein Leben aufs Spiel setzt und sich auf das Eis begibt. Mit meiner Wanderung ueber die Wolga und zurueck werde ich also wohl noch ein wenig warten muessen...

Am dritten waren wir dann im Kino, trotz der Warnzeichen einer aufziehenden Erkaeltung. Der Film war leider nicht ganz so selbsterklaerend wie Harry Potter. Immerhin hatte ich inzwischen "Waechter der Nacht" verstanden, nachdem ich ihn noch einmal angeschaut hatte, mit Erklaerungen von Slava nach jeder Szene. Gestern war ich krank, und heute geht's schon wieder. Mal sehen, wie morgen so wird.

Ich habe immer noch ein Problem mit meinen Schaufelzahlen, und das beste ist - keiner weiss weiter. Solange die nicht endgueltig feststehen, kann ich allerdings nicht weitermachen, was bedeutet, dass ich mich diese Woche und das kommende Wochenende noch mit Problemsuche rumschlagen muss - und wenn diese so erfolglos ist wie die der letzten eineinhalb Wochen auf Plan B zurueckgreifen muss. Wie der aussieht, weiss ich allerdings selbst noch nicht.
5.1.06 12:59


????. Das ist russisch, spricht sich "dujet" und heisst soviel wie "es zieht". Es zieht hier praktisch ueberall. Auch im Wohnheim. Das Gebaude ist aelter als ich, ebenso die Fensterrahmen, hundertmal uebergestrichen, aber undicht bis hier. Also zog es. Wie Hechtsuppe. Eigentlich noch viel extremer... um Euch einen Eindruck zu geben: es zog so, dass eine Hechtsuppe dagegen aussah wie ein Heringssalat. Wenn der Wind auf die Hauswand stand, dann wie Seepferdchen-Ragout. Wir haben am Tag, bevor es mir zu viel wurde, in voller Montur mit Winterjacke und Schuhen beim Schachspielen gesessen - nur die Muetze brauchten wir noch nicht. Es musste also etwas getan werden.

Wie hilft man sich? Zunaechst war ich dazu uebergegangen, mit Schal und Muetze zu schlafen. Da das jedoch irgendwie ein bisschen bratzig aussah (nicht, dass es etwas ausgemacht haette) und sich irgendwie komisch anfuehlte, habe ich mir bei Slava Tips geholt. Und bin losgezogen, um Klebeband zu kaufen, und Watte.

Die Watte habe ich dann mit Hilfe eines ordinaeren Kuechenmessers in die Oeffnungen und ritzen gestopft, wobei sich einige wirkliche Wurmloecher fuer Watte hervortaten, da konnte man stopfen und stopfen und stopfen, bevor was passierte. Am Ende dann einen Klebestreifen drueber und fertig war der Lack. Hat insgesamt etwa zwei Stunden gedauert, aber sich definitiv gelohnt. Es ist viel waermer, und vor allem zieht's nicht mehr. Und die frisch erstandene Waermflasche verbreitet zusaetzlich Gemuetlichkeit.

Ich habe einige Fotos zusammengestellt, die ich aber leider momentan noch nicht online bringen kann. Alle Internetorte, die ich kenne haben geschlossen oder sind nicht erreichbar, also habe ich mir eine neue Gelegenheit gesucht, und auch gefunden - nur Dateien hochladen geht hier nicht. Folglich werdet ihr noch ein, zwei Tage warten muessen, bevor ihr wunderschone Wolga-Bilder bewundern koennt.
8.1.06 13:41


Ich habe die angekuendigten Bilder hochgeladen. Da das Institut doch schon heute geoeffnet hat, sogar einen Tag vorher als urspruenglich erwartet.

097 - Das Lenindenkmal auf dem Platz der Revolution, mit Weihnachtsbaum.

098 - Nach dem Beispiel fuer eine missglueckte Weihnachtsdekoration hier mal etwas geschmackvolleres: dekorierte Baeume an der Moskovskoe Schosse

099 - Ein Blick auf die reichgedeckte Silvestertafel

100 - Ich mit zweien meiner Neujahrsgeschenke: einem langaermligen Unterhemd, wie es in der russischen Armee benutzt wird und einer Erkennungsmarke der Luftwaffe. Danke Slava und Nastja!

101 - Die Schachpartie, welche mich von der Notwendigkeit des Abdichtens der Fenster ueberzeugte. Man beachte meine neue Winterjacke!

102 - Aufgenommen am russischen Heiligen Abend (06.12.)

103 - Aufnahme aus der Kirche, in der ich mit Michal und Vitjok den Heilig Abend-Gottesdienst teilweise mitverfolgt habe.

104 - Die Kirche von aussen.

105 - Na, fast nicht wiedererkannt? Ging mir auch so. Ja, das ist die Wolga. Ich freue mich schon auf den Spaziergang rueber und zurueck!

106 - Wunderschoene Abendstimmung. Postkartenreifes Motiv, wuerde ich sagen.

107 - Und hier kann man sich fragen, ist das noch in Russland oder schon irgendwo in der Arktis?
9.1.06 12:17


Es gibt so Dinge, die kann man sich einfach nicht vorstellen, bevor man es nicht selbst erlebt hat. Und manchmal muss man dafuer scheint es ganz woanders hinfahren.

Zu diesen Dingen, die bis vorgestern noch vollkommen unvorstellbar fuer mich waren und jetzt irgendwo in der stetig groesser werdenden Kiste mit der Aufschrift "Erfahrungen" liegen, gehoert die Erkenntnis, wie unglaublich warm minus drei Grad sein koennen.

Und das ist kein Witz.

Seit vorgestern ist das Thermometer wieder an die Null herangeklettert. Das bedeutet auf der einen Seite natuerlich gleich um zwei Groessenordnungen siffigere Strassen (weil dort, wo Autos fahren, alles taut und Schneematsch und igittipfui!). Auf der anderen Seite ist es wahnsinnig warm. Ist es natuerlich nicht, aber es kommt mir so vor. Die Jacke, die ich mir gekauft habe, ist auf jeden Fall *zu* warm und ab morgen steige ich wieder auf den Mantel um. Die langen Unterhosen kann man auch weglassen, Handschuhe trage ich ja eh schon seit einer Woche nicht mehr. Das mag alles sehr unvernuenftig klingen, aber was soll ich tun? Wenn ich es nicht mache, schwitze ich mich zu Tode!

Die Eisblumen am Wohnheimfenster sind auch verschwunden. Und meine Waermflasche habe ich erstmal eingemottet.

Sicherlich wird es wieder kalt werden, aber bis dahin geniesse ich die Welle relativer Hitze, wenn ich sie mal so nennen mag. Noch fuenf Grad mehr, und ich aergere mich, dass ich meine kurzaermligen Hemden zu Hause gelassen habe. Das war jetzt natuerlich eine masslose Uebertreibung, aber ich bin jetzt schon gespannt, welchen Effekt der Hitzeschock im Maerz auf mich haben wird.

Zwei Monate und zwei Tage.
10.1.06 16:11


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