Mein "Russlandfeldzug"

 

* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren








Ich bin in Kiel angekommen. Schon vorgestern, aber eine leichte Erk?ltung und ein sehr voller gestriger Tag, wie auch die ?beraus langsame Internetverbindung hier vor Ort haben bislang erfolgreich verhindert, dass ich hier was schreibe.

Die Wohnungs?bergabe lief am Ende dann sehr reibungslos. Mein Nachmieter scheint ein einigerma?en unentschlossener Mensch zu sein, wollte er doch pl?tzlich den Schreibtisch doch haben, den er zuvor dreimal abgelehnt hatte. Nicht mein Problem, soll er ihn halt wieder zusammenbauen. Nach einer Nacht im G?stezimmer meiner ehemaligen Vermieterin (ist das nicht nett?) brach ich dann am Freitag mit den beiden physikalisch unwahrscheinlichen Koffern sowie diversem weiteren Gep?ck per Zug auf. Gro?raumwagen. Hasse ich. Aber ging ja nicht anders, mein Gep?ck h?tte das Fassungsverm?gen eines Abteils komplett ersch?pft, und das kann ich den Mitreisenden ja kaum antun.

Ich wei? nicht genau, wie die Bahn es macht, aber die Klima-Technik in den ICEs steht ganz oben auf der "Liste der Dinge, die Ruben eine Erk?ltung bescheren (TM)". Die Fahrt war sowieso ganz schrecklich, alle drei Minuten klingelte ein Handy und jeder hat Musik geh?rt oder Filme geschaut. Einen "Spiegel" hat man auch in zwei Stunden durch, musste ich feststellen. Blieben noch vier Stunden. 240 Minuten. Mir kam's ehrlich gesagt eher wie 14400 Sekunden vor. Ich habe noch einen Tag hier in Kiel, bevor ich erneut aufbreche, um meine letzte Pr?fung hinter mich zu bringen. Und dann l?uft der Countdown. In drei Wochen, genau um diese Zeit, sitze ich schon in Hamburg am Flughafen und frage mich dann wohl das, was ich mich die ganze Zeit nicht frage, weil ich irgendwie die Zeit gar nicht so richtig finde.

Ich habe auf dem Flohmarkt eine Uhr gekauft, f?r Russland. Ich will mir zwars da dr?ben auch noch eine kaufen, aber immerhin bin ich jetzt schonmal ausger?stet.
4.9.05 18:01


Oh, und noch was... ich habe gerade beim Nachschauen meiner emails eine gefunden, die so anfing:

"Hallo Ruben, habe geh?rt Du bist schon am packen - wie schrecklich! Es ist bestimmt eiskalt in Russland."

Danke f?r den Zuspruch, das macht es mir viel leichter, mich darauf zu freuen. Die Dunkelheit h?tte noch erw?hnt werden k?nnen, und dass ich ja praktisch kein Wort Russisch kann, und dass alle meine Freunde ganz weit weg sind. Sowas baut enorm auf!

Grenzenloser Optimist, der ich bin... gerne sein w?rde... naja, ich wei? ja, wie's gemeint ist.
4.9.05 18:07


Ich bin wieder im S?den. Nach einer im Vergleich zur Hinfahrt sehr sehr angenehmen R?ckfahrt im Abteil mit einer f?nfk?pfigen Familie und vielen Spielen bin ich zun?chst drei Tage in eine Frauen-WG eingezogen. Sozusagen als Maskottchen. Seit gestern wohne ich jetzt in Aichtal bei Freunden, und ich habe wenigstens kurz das Gef?hl der Heimatlosigkeit abstreifen k?nnen.

Es sind gerade noch 15 Tage, bis mein Flieger geht, aber so richtig wahrnehmen tue ich das immer noch nicht.

Mein Visum ist ausgestellt, mein Vater hat es beim Konsulat abgeholt. Die Geschichte, die er da erlebt hat, steht der urspr?nglichen von der Beantragung in nichts nach...
10.9.05 11:46


Tja, das war's. Morgen geht mein Zug zur?ck nach Norddeutschland, der letzten Zwischenetappe auf dem Weg nach Osten. Zusammenfassend ist ungef?hr das passiert seit meinem letzten Eintrag:

Montag hatte ich Geburtstag. Ich bin offiziell nicht mehr jung jetzt, mit 26. Die Gratulantenlage war d?rftig, wenn ich das so sagen darf, wohl dadurch, dass ich mein Telefon abgemeldet habe. Habe mich abends mit einem Schwung Freunde getroffen und gefeiert, den Geburtstag wie auch den Abschied. Gemerkt habe ich das nicht wirklich, man sagt halt "Tsch?ss, bis in sieben Monaten" und nicht "Tsch?ss, bis in zwei Wochen". Ich sch?tze, das holt mich noch ein.

Dienstag war dann nochmal Uni angesagt, die letzten Dinge regeln. Abends habe ich dann mein Auto weggebracht und in Schnelldorf in eine Scheune gestellt. Ein komisches Gef?hl, nicht mehr mobil zu sein. Andererseits spart es nat?rlich enorm Geld, wenn man keine Spritkosten mehr zu tragen hat, und keine Versicherung, und keine Steuern, und keine Reparaturen, und... naja, mal sehen, wie meine M?hre drauf ist, wenn ich sie in einem halben Jahr wieder abhole...

Mittwoch habe ich zuerst mein Auto abgemeldet, danach war ich in Karlsruhe und habe mich dort von meinen Freunden verabschiedet.

Gestern habe ich f?r meine "Gastfamilie" gekocht, als Dankesch?n f?r die Woche, die ich hier wohnen durfte.

Und heute gab es einen Abschiedsd?ner zum Mittagessen (der wird mir echt am meisten fehlen) und die letzte Freundesverabschiedung in S?ddeutschland.

Ich f?hle mich gerade hundeelend. Es ist merkw?rdig - man rechnet damit, bei jedem Abschied in Tr?nen auszubrechen, tut es dann irgendwie doch nicht, aber gut geht's einem deswegen noch lange nicht. Freunde sind so wichtig, manche wahrscheinlich viel wichtiger, als sie selbst denken. Und jetzt sehe ich sie alle sechs bis sieben Monate nicht. Denkt an mich, vergesst mich nicht! Ich freue mich schon heute auf den Tag, an dem wir uns wiedersehen.
17.9.05 00:26


Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die ich nie verstehen werde. Fangen wir mal an.

1000 Leute wollen mit einem Zug fahren. 800 dieser Leute, grob gesch?tzt, haben eine Platzreservierung. Auf der Platzreservierung steht die Wagen und die Sitzplatznummer drauf. Da hindert aber grob die H?lfte der Leute nicht, am maximal weitest entfernten Punkt in den Zug einzusteigen und sich dann bis zu ihrem Platz durchzuk?mpfen. Der liebe Herrgott hat uns Wagenstandsanzeiger gegeben, und er sah, dass er gut war! Warum benutzt sie dann kein Mensch!?

Dann gibt es zwei Drittel der Leute, die unzufrieden mit dem Wahlausgang sind, von denen aber 87% doch wieder das w?hlen w?rden, was sie gew?hlt haben. Statt sich zu freuen, dass endlich Mal ein Wahlergebnis vorliegt, dass Leute zwingt, sich einmal *wirklich* zusammenzusetzen und miteinander zu reden, wird wieder einmal gemeckert.

Was hat das eigentlich mit Russland zu tun? Ich verstehe auch nicht, warum ich immer noch nicht blicke, was in nunmehr nur noch vier Tagen vor mir liegt. Ich sitze hier, wie immer, und nichts ist los. Keine Aufregung, keine komischen Gef?hle. Keine Akzeptanz, oder Realisierung dessen, was kommt. Viele haben mir gesagt, es w?rde einen von hinten ?berrollen, so nach vier, sechs Wochen. Da bin ich ja mal gespannt...
21.9.05 10:10


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung