Mein "Russlandfeldzug"

 

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Es ist ja nicht so, als wuerde nichts passieren. Irgendwie komme ich nur nicht dazu, es aufzuschreiben... damit ich es nicht vergesse, hier mal ein Ueberblick ueber die Ereignisse der letzten Tage:

Vorgestern bin ich beinahe von den Hunden gefressen worden.

Es gibt bei uns im Institut einen partiellen Stromausfall, will sagen: Steckdosen funktionieren, Beleuchtung nicht. Heute ist Tag 2.

Grossmutter ist tot.

Das Wetter ist immer noch ausgezeichnet, Sonne satt. Die Temperaturen schwanken enorm zwischen Tag und Nacht.

Heute morgen *bin* ich von einem Hund gefressen worden. Zumindest hat er mich probiert.

Motto des Tages: "Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo 'ne acht-Tage-Woche her."

Wer jetzt meint, dass das bisher der mit Abstand verstrahlteste Eintrag hier war, hat Recht.
21.2.06 11:01


Neun! Grad! In der Sonne und im Windschatten! Heute! *aechz*

Meine Guete, was fuer ein Hitzeschock. Draussen riecht's ueberall nach Fruehling, obwohl natuerlich immer noch dicker Schnee rumliegt, und das auch so bleiben wird - in den naechsten Tagen rutscht das Thermometer wieder in den mir inzwischen sehr lieb gewonnenen Bereich um die minus 10 Grad rum. Heute war es dennoch herrlich draussen, wenngleich ich davon nichts hatte, war ich doch wieder den ganzen Tag am Insitut.

Slava hat seine Nieren-OP gut ueberstanden, was mich sehr froehlich macht. Sehen werde ich ihn aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem nicht mehr, bevor ich fahre. Folglich: Besuch in Samara in den langfristigen Terminplan aufgenommen!

Michal hat aus Tschechien sein Akkordeon mitgebracht. Das ist wirklich ein tolles Instrument, kann man sagen, was man will. Und Michal ist echt gut. Die Gespraeche laufen ungefaehr so:

Michal: "Sag mal ein Lied!"
Ich: "Aeh... wie jetzt?"
"Naja... irgendein Lied halt, was international bekanntes."
Dann druecke ich mir erstmal ein paar Minuten den Kopf aus, sage ihm ein Lied, er probiert ein bisschen, und fuenf Minuten spaeter kann er das einwandfrei auf dem Akkordeon spielen. Ich staune dann still vor mich hin und denke mir "was musikalische Frueherziehung nicht alles leisten kann".

Im Schach steht's derweil 2,5 zu 3,5 fuer mich, gerechnet nach Wiederankunft. Bald haben wir 100 Spiele gespielt.

Morgen treffe ich mich mit einem Deutschen auf, klar, ein Bier. Ich freu mich total drauf, mal gemuetlich mit einem Landsmann zusammen zu sitzen und sich vor allem endlich wieder mal laenger auf Deutsch zu unterhalten, das koennt ihr Euch gar nicht vorstellen! Ausserdem muss ich ja ueben, hehe.
17.2.06 17:30


*seufz*

Es ist zum Kinderkriegen. Die Arbeit schleppt sich so vorwaerts. Zu allem Ueberfluss (will sagen - zum schon bekannten Arbeitspensum) ist heute noch Professor Falaleev auf mich zugetreten und bat mich, doch einen Vortrag ueber meine Arbeit zu halten. Kann ich gerne machen, zwar wohl nicht auf russisch, aber... ich weiss einfach nicht wann. Erstmal muss ich wohl meine Simulationsgeschichte fertig bekommen.

Ich habe mich inzwischen endgueltig von dem Gedanken verabschiedet, mit dem Schreiben der Arbeit hier vor Ort zu beginnen.

Ploetzlich steht im Raum, laenger in Samara zu bleiben, wenn es laenger dauern sollte. Mehr als zwei Wochen sind natuerlich ohnehin nicht drin - soweit ich mich erinnern kann, darf ich ohnehin nur bis zum 15. im Wohnheim wohnen, und meine Auslandreisekrankenversicherung laeuft auch irgendwann um den 23. aus. Die Optionen sind also irgendwie nicht wirklich da, was bedeutet: haerter und cleverer arbeiten.

Dann habe ich heute erfahren, dass Slava, statt wie geplant heute aus Kurgan zurueckzukommen, gestern ebendort ins Krankenhaus gegangen ist, um seine Nierensteine entfernen zu lassen. Auf der einen Seite bin ich echt froh, dass er die Sache jetzt endlich angeht, auf der anderen Seite kann das natuerlich bedeuten, dass wir uns nicht mehr sehen, bevor ich weggehe.

Soviel zu meinem Geistes-, Arbeits- und Gemuetszustand momentan. Verzeiht mir, dass ich nichts unterhaltsames zu schreiben weiss. Wenn man den ganzen Tag im Buero sitzt, passiert eben nicht allzuviel, ueber das es sich zu berichten lohnen wuerde.

Achso... es hat Nachwuchs bei den wilden Hunden hier gegeben. Sechs total niedliche Welpen purzeln hier ueber den Kampus, was zumindest meinen Weg zur Arbeit sehr schoen macht. Fotos habe ich natuerlich auch... muss ich mal umwandeln, wenn ich die Zeit finde. Ich hoffe, dass ich am WE dazu komme, mal wieder was nettes zu berichten. Bis dorthin!
15.2.06 15:04


Also, gut. Ich gebe zu, ihr habt mehr Schnee als ich. Dafuer isses hier kaelter! So!

Ein wenig albern, ich weiss. Aber dass in Bayern dermassen schamlos versucht wird, mein Wintererlebnis hier herabzuwuerdigen, kann ich einfach nicht auf mir sitzen lassen. Hehe.

Es gibt nicht wahnsinnig viel neues zu berichten. Eine Woche neigt sich wieder dem Ende entgegen, morgen werde ich wieder den ganzen Tag arbeiten, das Wochenende wird wieder voll sein mit Kram. Montag kommt Michal wieder. Dann sind's noch vier Wochen. Abgesehen davon - alles beim alten. Ich sollte wohl mehr raus gehen, damit ich mehr amuesante Geschichten erlebe. Ich werd's versuchen.
10.2.06 17:02


Ich war im Schwimmbad, und drehte in Ruhe meine Runden. Beim anschliessenden Duschen, fiel mir eine Tuete eines Mitschwimmers ins Auge. Blau, mit der Aufschrift "Besser Karstadt...".

Sollte ich hier einen Landsmann getroffen haben? Durch Zufall im Schwimmbad? Ich koennte ihn fragen, aber... nee, das ist ja... irgendwie auch bloed. Oder nicht? Ich selbst habe ja eine Tchibo-Tuete mit, die koennte ich als subtiles Erkennungsmerkmal einsetzen. *mit der Tuete rummach* Mmh, er glotzt mich an. Vielleicht ist er ja einfach ein bisschen schuechtern? Ach was, da ist bestimmt nichts dran! Oder doch? Hach, schwierig!

Auf dem Weg in die Umkleidekabine plagen mich weiter Zweifel. Ansprechen? Ignorieren? Ich meine, es gibt bestimmt 400 gute Erklaerungen, wie es eine "Besser Karstadt"-Tuete ueber 2000 Kilometer nach Samara in die Haende eines Russen schaffen koennte. Bloederweise faellt mir gerade keine einzige ein, er MUSS also Deutscher sein. Stimmt doch! Andererseits... warum fragt er nicht, immerhin habe ich doch meine Tchibo-Tuete mitgenommen! *wedel*

Beim Umziehen sehe ich noch eine Tuete. Von einem Bekleidungs-Discounter. Einem deutschen Bekleidungs-Discounter. Also... das ist ja schon fast eine klare Beweislage! Schuldig, verbrennt die Hexe! Da muss man doch mal nachhaken!

Ich warte vor dem Schwimmbad. Mitten unter den Leuten haette das ja peinlich werden koennen. Aber er kommt nicht. Ich wende mich zum gehen, und die Tuer geht auf. Da isser also, in der linken Hand Beweisstueck A, in der rechten Beweisstueck B. Eine Smoking Gun, sozusagen.

"Sind sie Deutscher?"

"Eh?"

*Oha... vielleicht hat er mich nur nicht verstanden? Oder nicht damit gerechnet, dass ihn jemand auf Deutscha anspricht? Naja, probieren wir's mal auf Russisch*

"Wy Nemez?"

"Njet!" Kopfschuetteln.

"A, oi, iswinitje, ja tolka dumal, is-sa pakety..."

Umdrehen, weggehen. Kein Deutscher. War doch klar. Haette man sich ja auch gleich denken koennen...

Und die Moral von der Geschicht: Beurteile Leute nach den Tueten, welche sie zum Schwimmen mitnehmen nicht!
5.2.06 15:48


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