Mein "Russlandfeldzug"

 

* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren








Gestern war der fuenfte Maerz. An diesem Tag wird traditionell der Abschied des Winters gefeiert. In Samara steigt die Fete auf der Pferderennbahn, die hier sehr stilecht Hippodrom (beziehungsweise der Unfaehigkeit der Russen, ein "h" aussprechen zu koennen geschuldet "Ippodrom") heisst. Nastya und ich sind also gestern zum (H)ippodrom aufgebrochen und haben uns das ganze Spektakel angesehen. Auf dem grossen Platz in der Mitte der Rennbahn war eine Buehne aufgebaut, und aus Schnee war eine kleine Burg und mehrere Huegel aufgeschuettet worden. Auf der Burg stand aus Stroh und Ballonstoff eine riesige Puppe (Masleniza oder so aehnlich), welche den Winter darstellt und gegen Ende der Veranstaltung stilecht verbrannt wurde. Zunaechst wurde jedoch allerlei Programm geboten, von russischen Folkloregruppen bis hin zu Spielen fuer die Gaeste. Ich moechte von einem Spiel berichten, welches gruendlich in die sprichwoertliche Hose gegangen ist, oder zumindest mit Sicherheit nicht so lief, wie sich das der Veranstalter vorgestellt hatte. Und ein bisschen bin ich mit dran Schuld.

Eigentlich war es nichts anderes als eine Version des beliebten Hau-den-Lukas. Es wurde ein garantiert nicht TUEV-geprueftes Holzgeruest (der Begriff "Todesfalle" kommt einem in den Sinn) aufgestellt, an dem in etwa sechs Metern hoehe ein kreischend buntes Stofftier an einem Draht hing. Unten stand eine Art Katapult, bei dem mit Hilfe einer Keule ein Stoffsack hochgeschleudert werden konnte. Wenn man heftig genug den Knueppel schwang, so traf der Stoffbeutel von unten das Stofftier, es fiel herunter und der einigermassen glueckliche Gewinner konnte es behalten. Nun ist es so, dass ein in etwa sechs Meter Hoehe aufgehaengtes kreischend buntes Stofftier eine gewisse, ich will mal sagen, Faszination ausuebt. Dazu denke man sich dann einige tausend Russen, und jede Menge Schnee...

Ja...

Was folgt, ist wohl offenkundig. Und wer warf einen der ersten Schneebaelle? Genau. Aber unfreiwillig, wie ich hier betonen moechte! Es war so, dass einige Leute einfach wild und ziellos Schneebaelle in die Menge warfen. Einer ging sehr in meiner Naehe nieder, und ich wollte mich natuerlich nicht lumpen lassen und zurueckschlagen. Dank meiner ausgepraegten Wurfkuenste kam es jedoch so, dass der Schneeball nicht das Gebiet traf, aus welchem ich beschossen worden war, sondern ein wenig zu weit nach links driftete und den guten Mann, welcher gerade das Geruest bestieg, um ein frisches kreischend buntes Stofftier aufzuhaengen, am Fuss traf. Gute Idee eigentlich, dachten sich ein, zwei der umstehenden Russen, und versuchten nun, das aufgehaengte Stofftier zu treffen. Gute Idee, dachten sich circa 200 andere Russen. Und damit war das Spiel dann beendet (oder fing es an?): ein wahrer Regen aus Schneebaellen ging auf den armen neon-gruenen Stofffuchs nieder, der sich jedoch tapfer an seinem Galgen hielt. Natuerlich war an eine Fortsetzung des Spiels nicht zu denken, aber was ein findiger Spieleveranstalter ist, der macht den Spass natuerlich mit und laesst sich was einfallen. In diesem Fall war es wohl ein einfaches "Wer sich den Fuchs holt, darf ihn behalten." Wie schon frueher erwaehnt ueben kreischend bunte neonfarbene Stofftiere offenbar eine gewisse Faszination aus, und so dauerte es nicht lange, bis der erste wagemutige Mensch anfing, das Geruest zu besteigen. Nun gibt so ein Mensch ein weitaus besseres Ziel ab, als ein kleiner gruener Fuchs aus Stoff, und so versuchten sich auch weniger treffsichere Zeitgenossen an ihrem Glueck. Zu verlieren gab es schliesslich sowieso nichts, wenn man nicht das Geruest oder das Ziel traf, so wenigstens jemand der Umstehenden. Spass war garantiert! Immer mehr Leute bekletterten das Geruest und liessen sich grosszuegig mit Schnee bewerfen, zunaechst nur Kinder, spaeter auch Erwachsene. Wir hatten unseren Spass. Nur bloed, dass das eigentliche Spiel irgendwie ausfiel.

Auch sonst wurde man immer wieder in zufaellig aufflammende Schneeballschlachten verwickelt, und irgendwie hatte keiner der Russen da ein Problem mit. Man stelle sich nur mal das Gezeter in Deutschland vor, wenn in einem beliebigen Szenario jemand zufaellig und ungefragt einen Schneeball abbekommen wuerde. In Russland? Wird zurueckgeschossen! Warum auch nicht!

Dann bin ich gerade dabei, etwas ganz besonderes ins MediaCenter hochzuladen. Hat die Nummer 126, und ist kein Bild. Alle diejenigen, die keinen Breitbandinternetzugang haben, werden leider warten muessen, bis ich wieder in Deutschland bin. Ist ja nicht mehr lange hin.
6.3.06 06:24


Wer sich nicht angesprochen fuehlt, ist auch nicht gemeint!

Warum nur mache ich sowas?

Wieder einmal habe ich, um selbst besser dazustehen, gelogen.

Wann werde ich lernen, dass Ehrlichkeit durch nichts zu ersetzen ist?

Wieder einmal bin ich auf dem besten Wege, etwas mir sehr wichtiges kaputt zu machen.

Ist es denn so schwer, von vorneherein zu seinen Fehlern zu stehen?

Entschuldigung.
28.2.06 16:29


Ein Augenblick der Ruhe, des Innehaltens und der Reflexion.

Heute, an diesem 28. Februar, geht der fuenfte komplette Monat meines Aufenthaltes hier zuende, gleichsam der letzte volle Monat. Es verbleiben noch 12 Tage. Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, um irgendwie weiterzukommen mit meiner Arbeit, und doch bleibt noch so viel zu tun, dass ich wohl nicht fertig werde. Nicht gerade verbessert hat sich die Situation dadurch, dass heute mein Computer zum zweiten Mal gestorben ist. Ein Admin war nicht aufzutreiben, also wird sich erst morgen zeigen, was man da machen kann, wenn man denn etwas machen kann. Immer noch habe ich einen Vortrag zu halten (worueber denn nur?), ich habe heute erfahren, dass mich kein Mitarbeiter zum Flughafen bringen wird (wie packe ich die 60 Kilometer?), es kommt noch ein Feiertag auf mich zu und ueberhaupt ist meine to-do-Liste so lang, dass nicht mal drei Wochen ausreichen wuerden, um alles stressfrei zu erledigen. Draussen schneit es, und es ist eklig kalt (minus zwei Grad, feucht, kalt, bah!). Nicht gerade etwas, was einen in Hochstimmung versetzt.

Auf der Habenseite habe ich von allen drei Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, eine Einladung zum Vorstellungsgespraech erhalten, ich lerne Akkordeonspielen, und wie es auch kommt - in zwei Wochen um diese Zeit werde ich wieder zu Hause sein.

Die Lage ist also schwierig, aber nicht aussichtlos. Durchhalten. Alles wird gut. Wie das? Ich weiss es nicht, es ist ein Wunder...
28.2.06 15:12


Was haben wir gelacht!

Mein Gott, wer haette es fuer moeglich gehalten, dass mein erstes laengeres Treffen mit einem Deutschen nach ueber fuenf Monaten mir so viel Lust machen wuerde, zurueckzukommen! Es tut ja so unglaublich gut, mal wieder all die Dinge sprachlich ausdruecken zu koennen, die auf Russisch vollkommen unmoeglich und auf Englisch noch schwer genug sind. Alleine die Geschichten, die wir uns erzaehlt haben, waren echt zum Bruellen. Dass ich dann heute noch ein russisches Ziegelwerk besuchen konnte und mal gehen habe, wie man Ziegel macht, rundet das ganze zu einem echt tollen Wochenende ab. Danke Thomas!

Es hat angefangen, zu schneien, mal wieder. Die meisten Betrunkenen sind inzwischen von der Strasse verschwunden (gestern waren sie wirklich ueberall), und morgen geht alles wieder seinen gewohnten Gang.

Jetzt schreibe ich ein paar emails und amuesiere mich noch ein wenig ueber die schier unglaublichen Dinge, die hier im Internetcafe eben so passieren. Letztes Mal hat ein vollkommen betrunkener Vater seinen Online-Spiele zockenden Sohn in einem nicht enden wollenden Redeschwall zusammengeschissen, und gerade eben hat eine Frau die Polizei gerufen, weil... ja, warum weiss ich auch nicht so genau, vielleicht fuehlt sich sich ja ungerecht behandelt? Auf jeden Fall debattiert sie wild mit den Polizisten und den Angestellten hier, und irgendwie machen sich alle ueber sie lustig.
24.2.06 15:41


Morgen ist der Tag der sowjetischen Armee. Gleichsam Maenner-Tag. Mit anderen Worten: es ist Alkohol-Konsum angesagt. Das fing gerade eben schon an, als ich eigentlich nur ganz friedlich zum Rechner wollte, aber von einigen Dozenten abgefangen wurde. Sechs kurze. Poah. Mehrere Diskussionen ueber Faschismus, und ich werde hier jetzt wohl offiziell Kurt genannt, weil Ruben ja kein deutscher, sondern ein juedischer Name sei. Wie dem auch sei... ich starte jetzt in ein vorgezogenes Wochenende (der Freitag ist gleich mit frei, weil die Merhzahl der Russen sich morgen alle dermassen die Kante geben wird, dass am Freitag an Arbeit nicht zu denken waere). Ich fuer meinen Teil hole morgen wohl das schon fuer Samstag geplante Treffen mit Thomas nach. Jetzt wanke ich erstmal nach Hause. Spaeter mehr.
22.2.06 14:51


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung